Automatisiertes Fahren - ADAS/AD | Research

Technische Verfügbarkeit allein genügt nicht: FIA-Studie deckt die menschlichen Faktoren hinter der Sicherheitswirkung von ADAS auf

Fahrerassistenzsysteme (ADAS) haben einen hohen technischen Reifegrad erreicht und sind europaweit weit verbreitet. Doch macht die technische Verfügbarkeit die Straßen tatsächlich sicherer? Um diese Frage zu beantworten, beauftragte die FIA Region I das IFM – Institut für Fahrerassistenz und vernetzte Mobilität sowie MdynamiX mit einer KPI-basierten, datengestützten Studie, die von April bis Dezember 2025 durchgeführt wurde. Das Forschungsteam, bestehend aus Gioele Micheli, Prof. Dr. Uwe Stratmann, Florence Wagner, Prof. Bernhard Schick und Prof. Dr. Rolf Jung, kombinierte eine strukturierte Literaturrecherche, die Auswertung öffentlicher Datensätze und eine europaweite Kundenbefragung mit über 13.000 Teilnehmenden aus sechs oder mehr Ländern.

Zentrale Ergebnisse

Die zentrale Erkenntnis der Studie: Die menschlichen Faktoren entscheiden über die Sicherheitswirkung. Ein System kann die Verkehrssicherheit nur dann beeinflussen[GM1.1], wenn die Fahrerinnen und Fahrer ihm vertrauen und es konsequent nutzen. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) zeigt dies deutlich: hohes Vertrauen, hohe Nutzung und ein klarer positiver Beitrag zur Sicherheit. Der Spurhalteassistent (LKA) hingegen leidet unter geringerem Vertrauen und niedrigeren Nutzungsraten, sodass ein Großteil seines Sicherheitspotenzials ungenutzt bleibt.

Beide Systeme weisen zudem Leistungsdefizite genau unter den Bedingungen auf, in denen Sicherheit am wichtigsten ist: auf Landstraßen und bei widrigen Wetterverhältnissen. Über alle Länder hinweg zeichnet sich ein klares Muster ab: Eine höhere Wirksamkeit von ADAS geht einher mit informierten Nutzerinnen und Nutzern, einer unterstützenden Infrastruktur und Flottenmerkmalen, die eine sachgerechte Systemnutzung ermöglichen.

Fazit und politische Implikationen

Technische Verfügbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit einer Sicherheitswirkung in der Praxis. Für die Entwickler von ADAS lautet die entscheidende Frage nicht länger nur, wie gut ein System funktioniert, sondern ob es ausreichend auf den Nutzer ausgerichtet ist[GM2.1]. Für die Politik verweist die Studie auf drei wesentliche Hebel: die Schulung von Fahrerinnen und Fahrern, Investitionen in die Infrastruktur und die Weiterentwicklung von Rahmenwerken, die das Verhalten und die Benutzeroberfläche von ADAS standardisieren. Der nun öffentlich verfügbare vollständige Bericht bietet allen Beteiligten, die das Potenzial von ADAS in messbare Sicherheitsgewinne auf Europas Straßen umsetzen wollen, eine umfassende Evidenzgrundlage.

Der vollständige Bericht ist auf der Website der FIA Region I verfügbar: Final_Report_ADAS_DCAS_FIA_2025.pdf

Über das Projekt

Studie durchgeführt von April bis Dezember 2025 durch das IFM und MdynamiX im Auftrag der FIA Region I. Team: Gioele Micheli, Prof. Dr. Uwe Stratmann, Florence Wagner, Prof. Bernhard Schick, Prof. Dr. Rolf Jung.

Die Erkenntnisse der FIA-Studie spiegeln den Kern unserer Arbeit wider: Sicherheit entsteht erst, wenn Mensch und System zusammenpassen. In unserem Leistungsbereich UX + Human Factor untersuchen wir genau dieses Zusammenspiel – von der Akzeptanz über die Bedienbarkeit bis zur realen Nutzung. Mehr erfahren